Chronik

Aktuelle Termine

Keine Termine

Die Boslarer St. Sebastianus - Bruderschaft gehört zu den Ätesten des Kreises Jülich. Ihre Entstehungsgeschichte reicht in die Zeit zurück, als der "schwarze Tod", die Pest, im Kreise Jülich wütete. In einem Bruderschaftsbuch, angelegt am 24. April 1743 durch Johannes Theodorus Meurer, Sohn einer alteingesessenen Boslarer Familie, ist folgendes zu lesen: "Im Jahre 1427 im Augusto da große pestelenz waß, ist diese Bruderschaft gemacht und bestätigt zu loben und Ehren Jesu Christi und zu Ehren des heilig Martiris Sebastiani". Neben dem heiligen Sebastian, dessen Namen die Bruderschaft trägt, wurden noch drei andere Schutzpatrone besonders verehrt. Der Marschall St. Hubertus wurde als Schutzheiliger "gegen den unversehenden Dodt und die rasende Sucht" angefleht, der heilige Antonius, Einsiedler und Begründer des Mönchwesens, galt als Schutzheiliger gegen "das höllische Feuer", und der heilige Bernhard half bei "fallender Sucht und Gicht'.

In dieses 1743 angelegte Bruderschaftsbuch trug Johann Theodorus Meurer die alten Satzungen und die Namen der Mitglieder von 1683 an ein. Die Vermerke beginnen mit der "Specificatio Dero Samplichen Bruder Nahmen u Zunahmen, Welche Im Jahr 1683 den 30. May sich hat Inschreiben lassen". Dieses alte Buch ist eine wahre Fundgrube für die Familienforschung. Für das Leben in Bruderschaft waren klare "Regulen" vorgegeben. So konnten z.B. nur Boslarer und Hompescher Bürger in die Bruderschaft aufgenommen werden. Ebenfalls stand nur ihnen das Recht zu, auf den Königsvogel zu schießen. Der Brudermeister stand, wie auch in anderen Bruderschaften, an der Spitze der Gesellschaft. Seinen Anordnungen war unbedingt Folge leisten. Verstöße konnten mit Ordnungsstrafen geahndet werden. Häufig bestand die Strafe aus Wachs für die Kirche. Die "Regulen" legten auch die drei Festtage der Bruderschaft fest. Es handelte sich hierbei um den Sebastianus-Tag, den Fronleichnamstag und den Tag des Königsvogelschusses. Die Teilnahme an den Gottesdiensten und Prozessionen dieser Tage war Pflicht für jeden Schützenbruder.

Das herausragende Ereignis für die Schützenbrüder war jedoch der Tag des Königsvogelschusses. Es steht hier nicht eindeutig fest, wann dieser Tag eingeführt wurde. Es muss jedoch bereits lange vor Anlegung des Bruderschaftsbuches von 1743 gewesen sein, denn in dem Buch werden die Schießregeln bereits als "von alters her" bezeichnet. Folgende interessante Hinweise sind in den alten Unterlagen zu finden: Der Königsvogelschuss fand am Tag der Frühkirmes statt. Vor Beginn des Schießens wurde wie üblich der Platz "befriedet" und gebetet. War der Vogel bis zum Abend nicht gefallen, fand das "Roßkampfschießen" statt. Hierüber sagt der Chronist folgendes: Für die Orte Boslar, Müntz und Stetternich entschied der Brudermeister, nach Beratung mit den ältesten Brüdern, über diesen Wettkampf. Hierbei schossen "Zwei zugleich, den man nicht er Kennen könnte, Wer den Vogel abgeschossen, soll die Schützen zwoy häuff machen, und der die meisten stimmen haben Würdt, der soll für einen König angenohmen werden oder seyn, und das Kleinodt gefolgt Werden". Der so ermittelte König wurde anschließend feierlich durch den Ort zur Kirche geleitet.

Hierbei scheint es um 1715 jedoch zu Streitereien gekommen zu sein. Es wurde daher bestimmt ,"daß künftig hin, wann der Vogel mit den schildern in die Kirch wird gedrag seyn, alle welche demnächst einen Schuß tuhn sich unterstehen werden zur straff ein Pfund Wachs geben sollen, unter gleicher straff soll nach geschehenem Verbot kein Trummel mehr gerührt werden. Wer aber Streit und Zank Anfang, Wird anbest verwirkter straff gleich aus der Gesellschaft heraus gestoßen werden". Der König war während seines Amtsjahres von allen Diensten, besonders den Spanndiensten befreit.Er erhielt 10 Ellen Tuch für Königsmantel und bezog die Gerechtsame von 120 Ar Wiesen(Königsbenden).Das Amt brachte jedoch auch Pflichten mit sich.

Die Protokolle der Bruderschaft durften nur von dem König unterzeichnet werden. Die erste nachgewiesene Unterschrift stammt aus dem Jahre 1752 von Konradus Kaulhausen, einem Halbwinner von Hompesch. Weitere Aufgaben waren die Beköstigung des "Magistrats" (Vorstand) am Kirmesmontag, Fronleichnam und Sebastian und die Spende von einer Tonne Bier für die gesamte Schützenbruderschaft.

Die Stiftung eines Schildes für die Königskette war ebenfalls PfIicht. Bei feierlichen Aufzügen und Prozessionen wurde die Königskette mit den Schildern vom König getragen. Die Anzahl der Schilder wurde von Zeit zu Zeit nachkontrolliert. Leider ist jedoch ein großer Teil der Schilder veräußert worden. So zählte man 1753 noch 71 Stück, 1781 nur noch 42 und im Jahre 1840 war die Zahl auf 40 geschmolzen. Das älteste noch vorhandene Schild trägt folgende interessante Aufschrift: "Hyronimus Godefreidus Langen, Pastor und König in Bußlar 1782". Eigentümlich für das Jahr 1834 ist das Schild für König Werner Müller, 12 Jahre alt. Neben den Namen der Könige waren üblicherweise auch die Namen der Ehefrauen noch erwähnt. Wer drei Jahre hintereinander König war, erhielt kein Königssilber mehr. Statt dessen wurden ihm 6 Rthlr. überreicht.

Bei den weiteren kirchlichen Feiertagen ist zunächst einmal der Sebastianustag zu erwähnen. In der Boslarer Pfarrkirche wurde aus diesem Anlass den Gläubigen eine Reliquie des hl. Sebastian zur Verehrung gezeigt. An diesem Tag fand auch immer die Wahl des Fähnrichs statt.

© 2017 St. Sebastianus Schützenbruderschaft Boslar-Hompesch 1427 e.V. All Rights Reserved. Designed By JoomShaper